Vergleichs - forschungen

Vergleichsforschungen anderer Wissenschaftler

 

Die Entdeckung der Symbiose von Bücherskorpionen und Bienen:

Der erste wissenschaftliche Artikel über die Symbiose von Bücherskorpione und Bienen, wurde bereits im Jahr 1891 von Alois Alfonsus (1871-1927) veröffentlicht. Er beschreibt in diesem Aufsatz, wie die Bücherskorpione in Bienenstöcken Bienenläuse jagen und fressen. Besonders herauszustellen ist hierbei die Tatsache, dass diese Symbiose keinesfalls von Menschen initiiert wurde, sondern auf ganz natürliche Art und Weise zustande kam. Bienen waren/sind eigentlich Waldlebewesen. Ihr natürliches Habitat sind Baumhöhlen. Bücherskorpione hingegen sind Rindenbewohner und leben somit, insbesondere unter der Rinde morscher Bäume. So entstand auf eine ganz natürliche Art und Weise eine mutualistische Symbiose (eine Symbiose zu beiderseitigem Nutzen).

Es ist anzunehmen, dass Bücherskorpione und Bienen bereits seit Urzeiten in Symbiose gelebt haben. Dieses wird auch von der Tatsache bestätigt, dass überall auf der Welt, wo Bienen noch in der freien Natur überleben, Pseudoskorpione als natürliche Symbionten aufzufinden sind. Südlich des Äquators sind es vorwiegend Ellingseniusarten. Diese Arten haben sich weitgehend auf das Leben im Bienenstock spezialisiert und halten ihren Wirt sauber. Auch in Europa haben Bücherskorpione seit tausenden von Jahren mit Bienen in Symbiose gelebt, bis sie von der Imkerschaft aus den Bienenstöcken ausgerottet wurden.

Dr. Max Beier (1903-1979), ein weltweit führender Zoologe, welcher sich insbesondere auf die Erforschung von Pseudoskorpionen fokussierte, forschte in den fünfziger Jahren des

letzten Jahrhunderts ebenfalls an der Symbiose von Bücherskorpione und Bienen.

Seinem Aufsatz mit dem Titel „Der Bücherskorpion, ein willkommener Gast der Bienenvölker “, ist es zu verdanken, dass ich meine Forschungen im Jahr 2007 begann. In diesem Schriftstück von 1951 beschreibt Beier, dass der Bücherskorpion ein zu Unrecht wenig beachtetes Dasein im Bienenstock führte. Er erklärt weiterhin, dass Bücherskorpione auch für uns Menschen sehr nützliche Tiere sind, da sie auch in unseren Büchereien kleine Staubläuse fressen, daher auch der Name. Darüber hinaus jagten die Scherenträger in dieser Zeit auch lästigen Bettwanzen hinterher und wurden sogar auf den Köpfen von Kindern, welche Läuse hatten, beobachtet. Weiterhin stellte Beier fest, dass Bücherskorpione auch im Bienenstock Milben, Staubläuse, ja sogar Wachsmottenlarven jagten und aussaugten, sowie Bienenläuse direkt von den Bienen selbst, ablasen.

Ebenfalls bestätigte er, dass diesem feinen Nutzen kein einziger Schaden gegenübersteht, denn die Bienen dulden den Bücherskorpion, welcher weder für die Brut, noch für die Bienen selbst eine Gefahr darstellt und sich auch von den feuchten und klebrigen Waben fernhält.

Auch in dem 1966 veröffentlichten Buch „Moos und Bücherskorpione“  von Peter Weygoldt, wird die Symbiose von Bienen und Bücherskorpionen kurz erwähnt. Insbesondere beschäftigt sich dieses Buch jedoch mit dem Verhalten der Tiere, deren Körperbau und der Kommunikation von Pseudoskorpionen. Dieses Grundlagenwerk empfehle ich jedem, der sich im Detail weiter über die Tiere informieren möchte.

Derzeitige Vergleichsforschungen und Erkenntnisse in anderen Ländern

Im Jahre 2006 veröffentlichte das Forscherteam Dr. Barry Donovan und Dr. Flora Paul eine kurze Abhandlung mit dem Namen „Pseudoscorpions to the rescue“. In diesem Bericht wurden Versuche mit den indischen Pseudoskorpionen, Ellingsenius indicus, beschrieben. Auch hier konnten die Tiere dabei beobachtet werden, wie sie Varroa Milben und Wachsmotten fraßen. Darüber hinaus beschrieben sie das große Potenzial dieser Tiere und nahmen an, dass sie eine Lösung für das Varroa Problem sein könnten. Sie mutmaßten, dass insbesondere fehlende Risse und Spalten in den Bienenstöcken dazu führten, dass sich die Tiere nicht in menschlichen Beuten ansiedeln können. Auch die indischen Pseudoskorpione griffen die Bienen oder deren Larven nicht an.

Sie erwähnten aber auch, dass 200 Pseudoskorpione, einer nicht identifizierten Art, in Mittelamerika in einem Bienenstock gesehen wurden, die Bienen angriffen und aussaugten[1]. Vermutlich stammte diese Art aus Kolonien der stachellosen Honigbienen (Meliponini). Ein solches Verhalten wurde bei den Pseudoskorpionarten, welche für die Symbiose mit Bienen bekannt sind, jedoch noch nie beobachtet. Es muss aber als Warnung verstanden werden, nicht jeder Pseudoskorpion gehört in eine Bienenbeute! Stattdessen müssen wir uns sicher sein, auch den richtigen Vertreter gefunden zu haben.

Wir nahmen diese Information zum Anlass, einen Versuch hinsichtlich der Gefährlichkeit der Bücherskorpione durchzuführen. Dafür wurden ausgehungerte Tiere mit Bienen und Bienenlarven zusammen in ein kleines Gefäß gesetzt. Dieser Versuch wurde mehrmals wiederholt aber in keinem Durchlauf wurde die Biene oder die Bienenlarve angegriffen. Setzten wir darüber hinaus Wachsmottenlarven oder Varroa Milben mit ins Gefäß, so wurden diese umgehend attackiert. Auf welche Art und Weise die Bücherskorpione Beutetiere und Bienen bzw. Bienenlarven unterscheiden, ist bislang unerforscht. Jedoch haben sich die verschiedenen Arten der Pseudoskorpione (in ihren jeweiligen ökologischen Nischen) auf ganz individuelle Räuber-Beuten-Schemata spezialisiert und Bücherskorpione sind absolut harmlos für Bienen und deren Brut.

Mike Allsopp, ein weiterer Forscher der sich in seiner Dissertation „ Analysis of Varroa Destructor infestation of southern African Honeybee populations“, 2006 mit der Varroamilbe in südafrikanischen Bienenvölkern beschäftigte, bemerkte ebenfalls, die in den wildlebenden Bienenvölkern vorhandenen Pseudoskorpione der Arten Ellingsenius fulleri und E. scultpuratus. Diese Vertreter werden regelmäßig in Bienenstöcken gefunden. Adulte Tiere und auch Nymphen konnten dabei auf Arbeiterinnen gesehen werden. Sie ernähren sich ebenfalls von der, in den Bienenbehausungen befindlichen, Mikrofauna. Allerdings war die Anzahl der Pseudoskorpione, welche von Allsopp in Beuten gefunden wurden, viel zu gering, um eine signifikante Rolle bei der Bekämpfung der Varroa Milben zu spielen. In einem persönlichen Austausch erklärte er, dass die Pseudoskorpione, sobald sie mit einem Bienenvolk in eine Beute gesetzt werden, auswandern. Dies mag ein weiterer Hinweis dafür sein, dass moderne Bienenbeuten kein Habitat für die Symbionten bieten können.

Ein Forscherteam aus Neuseeland veröffentlichte im Jahr 2012, im Journal of applied Entomology, den Artikel „Varroa management in small bites“, L. L. Fagan, W. R. Nelson, E. D. Meenken, B. G. Howlett, M. K. Walker & B. J. Donovan. In dieser Abhandlung wurden Versuche mit der Art Nesochernes gracilis und Heterochernes novaezealandiae beschrieben. Beide Arten kommen in Neuseeland in Bienenvölkern vor. Es wurde beobachtet, dass diese Pseudoskorpione ebenfalls bis zu neun Varroa Milben pro Tag verspeisen. Hieraus wurde eine interessante Rechnung erstellt. Zu Grunde gelegt wird ein Bienenvolk im Frühjahr mit 10.000 Bienen und 1000 Varroa Milben. Wir wissen aus Untersuchungen, dass die Milbenpopulation zwischen 4,25 % - 5,3 % pro Tag wächst (Guzman et al. 2007). In diesem Beispiel kommen also ca. 50 Milben pro Tag hinzu. Nun wird zu jedem Pseudoskorpion die moderate Anzahl, von nur zwei täglich attackierter und getöteter Varroa Milben, dagegen gerechnet. Bei dieser Annahme wären also bereits 25 Pseudoskorpione in der Lage, das Wachstum der Varroa Population aufzuhalten.

Selbstverständlich handelt es sich hierbei nur um eine Beispielrechnung. Tatsächlich müsste die Anzahl der Pseudoskorpione in einem Bienenstock viel höher liegen, denn weibliche Tiere fallen während der Brutzeit aus dieser Rechnung raus, da sie dann ihre Nester nicht verlassen und nicht jagen. Zudem fressen Pseudoskorpione auch andere Beutetiere. In einem indischen Bienenjournal wurde im Jahre 1986 ein Artikel veröffentlicht, welcher sich mit dem Ellingsenius indicus in Bienenvölkern beschäftigt. Dort wurde beschrieben, dass in Bienenschwärmen bis zu 250 Pseudoskorpione mitreisen[2]. Sie halten sich dabei an den Beinen der Bienen fest (Phoresie). Die Tatsächliche Anzahl, der im Volk befindlichen Symbionten, muss daher entsprechend mehrere 100 Tiere betragen.

Wer sich im Detail für diese, in der Tierwelt recht häufige Art der Fortbewegung interessiert, dem empfehle ich die Begriffe „Phoresie + Pseudoskorpione“ im Internet zu recherchieren. Dort kann man eine große Anzahl interessanter Fotografien einsehen.

Eine neue Studie beweist, dass Bücherskorpione Varroamilben auch in ungeeigneten Stöcken jagen und fressen:

Die Studie von Ron van Toor mit dem Titel: "Can chelifers be made to control varroa mites in beehives?" bezieht sich auf das Staatsexamen von Torben Schiffer und die Arbeit des Beenature-Projects.

Obwohl wir seit Jahren betonen, dass die Symbiose mit herkömmlichen Beuten nicht funktioniert und alleine die Verwendung von Rähmchen, die Frequentierung der Waben durch Bücherskorpione signifikant einschränkt und somit auch ihre Wirksamkeit gegen die Varroamilben, wurden diese Anfängerfehler in der Studie wiederholt. Herr van Toor hätte sicher gut daran getan, unsere Arbeiten zu lesen, anstatt nur als Quelle darauf zu verweisen.

Herr van Toor stellte also fest, dass die Bücherskorpione aus den verwendeten Standardbeuten abwanderten (eine Erkenntnis, welche in dem Staatsexamen von Torben Schiffer bereits im Jahr 2008 beschrieben wurde / siehe auch Allsopp 2006). Die noch im Stock befindlichen Bücherskorpione wurden dann einer DNA Analyse unterzogen:

Von 30 willkürlich ausgesuchten Bücherskorpionen, konnte per DNA Analyse in 4 Tieren Varroamilben DNA festgestellt werden. Hier zeigt sich, dass trotz der ungeeigneten Standartbeuten, Varroamilben von Bücherskorpionen gefressen wurden.

So kommt van Toor zu dem Schluss, dass grundlegende Erkenntnisse über die Beutetierrate und Beutetierpreferenzen der Bücherskorpione gesammelt werden müssen:

"To evaluate the potential of chelifers to contribute to varroa control, we need a fundamental understanding of the
predation rate and food preferences of chelifers
"

und falls die grundlegenden Erkenntnisse positiv seien, so würden die Methoden, wie man die Bücherskorpione in die Beuten integriert und sie dort auch bleiben, einen kritischen Erfolgsfaktor darstellen:


"If the predator/prey relationship appears to support the potential use of chelifers for biological control of varroa,
the methods used to introduce and hold the chelifers within the hives will be a critical success factor".

Obwohl der Versuchsaufbau zur Evaluation der Varroareduktion durch Bücherskorpione ungeeignet war, die meisten Tiere abwanderten und durch die Rähmchen nicht effektiv auf die Waben gelangen konnten, ließ sich bereits eine, wenn auch geringe Reduktion der Milben feststellen:

Numbers of varroa/100 bees Februar Juni
Untreated 0.0 18.7
Chelifers / Bücherskorpion 0.1 17.6
Miticide /Akarizide/ Chemie 0.1

11.7

 

Wir werden Herrn van Toor nun unsere Handlungsanleitung zur Verfügung stellen, damit er seine zukünftigen Versuche zum Erfolg führen kann. Schade, dass er sich nicht vor der Versuchsdurchführung mit uns in Kontakt gesetzt hat, denn die Grundidee seiner Untersuchungen ist sehr gut. Gerne werden wir Herrn van Toor bei zukünftigen Untersuchungen unterstützen.

 

 

 

 

[1] Caron, D. 1992: Pseudoscorpions. Bee Culture, July: 389.

[2] Murthy, V A; Venkataramanan, R (1986) E. inicus as a tool to assessment the settling nature of honey bee colony, in a new habitat, Indian Bee Journal 48: 54-55